2026-01-23 gesellschaftsanalyse Nationalstaaten koennen nicht funktionieren Was sind Nationalstaaten? Urspruenglich basieren sie wohl auf einer imperialistischen Idee: Ein Herrscher erobert mit militaer- ischer Macht so viel Gebiet wie moeglich. Er ringt es an den Grenzen im Kampf gegen andere Herrscher ab. So teilt sich die Landschaft in Herrschaftsgebiete auf. Ich denke, dass in Folge davon (und nicht schon davor) die Idee von Voelkern aufkommt. Ein Volk ist somit die im Herrschaftsge- biet lebende und sprachlich plus kulturell vereinheitlichte Be- voelkerung. Die kulturelle Vereinheitlichung passiert zum Teil automatisch weil sie praktisch und sinnvoll ist, sie liegt aber auch explizit im Interesse des Herrschers, der sie folglich oft motiviert oder gar erzwingt. Die sprachliche und kulturelle Homo- genitaet des Volkes festigt den Nationalstaat. Je homogener er ist und je staerker er sich nach aussen abgrenzt, desto groesser seine Legitimation und sein Fortbestand (ohne weitere militaer- ische Mittel). Nationalstaaten und Voelker sind ein Wunschdenken, das der Reali- taet widerspricht. Sie sind ein 19.-Jahrhundert-Denken, das die Welt in exakte und disjunkte Kategorien einteilen will. So wie das bei der Verortung von Tier- und Pflanzenarten und auch bei Musikgenres nicht endgueltig gelingt, da manches einfach genau zwischen Kategorien liegt, so sind auch Voelker, Kulturen und Sprachen fliessende Dinge. Man kann sie nicht abgrenzen. Man kann nicht mit Homogenitaet argumentieren. Das sind nur Wunschfan- tasien ... die eben imperialen, nationalistischen Interessen dienen sollen. Nuechtern betrachtet machen sie keinen Sinn. Dieses ganze Konzept von Voelkern ist ein legimistisches und pro- pagandistisches Hilfsmittel. Das Konzept von Nationalstaaten kann nicht funktionieren. Nunja, es kommt darauf an wie man es sieht. Es funktioniert in der Weise, dass konstant Krieg, Kampf, Leid und Unzufriedenheit herrscht. Es funktioniert fuer Machtinteressen und Narzissmus. Wenn man das funktionieren nennen will, dann koennte man sagen, dass da etwas funktioniert. Frieden dagegen ist ein Ausnahmefall in diesem System. Es tut auch den Menschen nichts Gutes, nur den Herrschenden. Eine kulurell ineinander fliessende Welt kann nicht aufgeteilt werden.. Man kann keine Grenzen in ein nass in nass gemaltes Bild ziehen, oder ineinander fliessende Musik in Tracks splitten. Das Aufteilen ist sowohl ein Vorwand fuer imperialistische Machtin- teressen als auch ein 19.-Jhdt.-Interesse, die Welt zu ordnen ... vermeintlich gross-denkend, tatsaechlich aber kleingeistig, weil man sich nicht darauf einlassen will, die Realitaet zu sehen. Solange wir an der Idee von Nationalstaaten und Voelkerdenken festhalten wird die Welt weiterhin so kampfbasiert und leidpro- duzierend sein wie bisher. Das kann nicht anders sein. Es liegt in der Natur dieses Systems. Wollen wir eine andere Welt, so muessen wir die Strukturen und Denkweisen aendern. Die Dinge werden dann gut wenn wir die Reali- taet anerkennen und unsere Systeme daran ausrichten. Dezentralitaet ist noetig. Foederalismus ist ein Ansatz von dem was wir brauchen. Vor allem muessen wir aber von Grenzen wegkom- men und vom diskunkten Denken. Wir muessen aufhoeren auf- und einzuteilen, und stattdessen Wahlfreiheit schaffen und die Unk- larheit ertragen. Wir muessen den Imperialismus, das 19.-Jhdt.- Denken und den Verwaltungsfetischismus hinter uns lassen, denn sie alle dienen nur den Herrschenden, nicht den Menschen. http://marmaro.de/apov/ markus schnalke