2025-12-13 gesellschaftsanalyse Machtsensibilitaet Alles fuer ein Gefuehl von Sicherheit? Ich mag keine Machtgefaelle. Ich bin sensibel dafuer. Hierarchien sind Machtgefaelle; ich mag sie nicht. Ich mag keine Macht ueber andere haben und mag nicht wenn sie welche ueber mich haben. Letztlich geht mein Streben nach Unabhaengigkeit darauf zurueck. Es ist ein Streben, um Ansatzpunkte fuer Macht zu vermeiden. Ich verstehe nicht, dass Verbundenheit oft als gegenseitige Machtpositionen verstanden wird. Selbst wenn die Machtpositionen im Moment zufaellig im Gleichgewicht sind, warum ueberhaupt muessen es Machtpositionen sein? Wieso denken wir Liebe und Ver- bundenheit nicht ohne? Ich finde es befremdlich, dass Macht ue- berhaupt ein Thema in diesem Kontext ist. Mein Eindruck ist, dass viele die Macht dabei gar nicht explizit erkennen (koennen). Und sie scheint ihnen nicht problematisch zu sein. Im Gegenteil: Es ist eher ein Streben nach eigener Macht, und als eine Art (notwendigem oder liebevoll zugestandenem) Aus- gleich erlaubt man dem Anderen auch Macht ueber einen. Die Macht wird dabei angestrebt, scheint mir, um Sicherheit zu gewinnen. Das Beduerfnis nach Sicherheit erzeugt ein Beduerfnis nach Macht. Es liegt wohl daran, dass ich nicht so sehr auf diese ver- meintliche (!) Sicherheit angewiesen zu sein scheine und ich da- durch auch auf die gegenseitige Machtaufruestung verzichten kann. Warum wuerde jemand Macht wollen? -- Ich finde das eine interes- sante Frage, gerade weil Macht ein so zentrales Streben in un- serem menschlichen Verhalten darstellt. -- Warum ist das so? -- Vermutlich weil die Menschen schlecht sind und Macht einen Schutz darstellt ... in einer aehnlichen Art wie die Aufruestung der Na- tionalstaaten (besonders anschaulich im Kalten Krieg). Damit will ich mich nicht abfinden. Es ist gut, dass ich so sensibel und abgeneigt auf Macht reagiere. Und das hat nichts mit mir unerwuenschter Naehe oder fehlender Verbundenheit zu tun. Aber auch ganz allgemein sind Situationen mit Machtgefaelle aus meiner Sicht problematisch. Sie veraendern das Miteinander. Ich nehme sie nur in Kauf, wenn sie nicht vermeidbar sind. So beispielsweise die Jobsituation als Angestellter. Ich muss akzep- tieren, dass der Chef mir sagen kann, was ich zu tun habe. Das an sich ist nicht schlimm, weil es seine Aufgabe ist, Arbeit zu ver- teilen, und meine Aufgabe ist, sie zu erledigen. Das ist Ar- beitsteilung und Kooperation. Hier tut jeder was er gut kann (zu- mindest sollte es so sein). Problematisch ist, dass der Chef darueber hinaus Macht ueber mich hat ... dass dadurch ein ein- seitiges Machtgefaelle existiert. Ich mag nicht, dass ich, um dem zu begegnen, ebenfalls Macht aufbauen muss, indem ich ein wichtiger Mitarbeiter bin. Immerhin ist mir das in der Informatik ueberhaupt moeglich. Die meisten haben diese Moeglichkeit gar nicht. Ein Machtgefaelle existiert auch bei Krankheit. Aerzte sind immer in einer Machtposition den Patienten gegenueber. Man muss sich ihnen genehm verhalten, um nicht benachteiligt zu werden. (In diesem einen Satz steckt so viel, das man kaum begreifen kann, wenn man es nicht selbst erlebt.) Die Beziehung ist komplett ein- seitig. So sollte das nicht sein. Unsere ganze Welt ist voller Machtgefaelle. Manche sind gegeben, wie koerperliche Staerke und Intelligenz, andere sind kuenstlich/kulturell so gestaltet, wie Angestelltenbeziehungen oder das Arzt-Patient-Verhaeltnis. Sie alle sind schlecht. Ich leide unter ihnen. Ich versuche sie zu meiden. Sie verhindern viel Gutes auf der Welt. P.S. Ein fuer mich augenoeffnendes und sehr inspirierendes Poster ist ``Probleme mit Hierarchien in antiautoritaeten Gruppen'' [0] das ich in der Ada-Kantine in Frankfurt entdeckt habe. [0] https://abcdd.org/wp- content/uploads/2018/02/Poster_Hyrarchy_de.pdf http://marmaro.de/apov/ markus schnalke